HerzlichWillkommen
Warum ist Kunst so interessant? - Weil sie aus der Luft gegriffen ist. (SCN)
© Sylvia Catarina Nickus 2014-18  Impressum/Datenschutz
Das Jagsthausener Künstlerhaus
Bisherige Bildveröffentlichungen können Sie in der Galerie betrachten.

Eine kulinarische kleine

Weltreise

Was das für ein Luxus ist, eine gut ausgestattete Küche zu haben, weiß man erst, wenn man rund drei Jahre lang auf einem Gas-Campingkocher gekocht hat, auf dem man immer nur einen Topf platzieren kann. Jetzt bietet sich mir eine Fülle neuer Möglichkeiten, die mich in einen wahren Rausch versetzt hat, neue Rezepte auszuprobieren, um mich „durch die Welt“ zu kochen. Ich esse gerne Speisen fremder Länder und bin da sehr experimentierfreudig und unerschrocken; ich probiere gerne alles aus. Ich liebe zum Beispiel die chinesische Küche, also nicht die vom Chinarestaurant um die Ecke in Deutschland, denn was man dort isst, hat mit der echten chinesischen Küche überhaupt nichts gemein. Ich hatte im Jahr 2011 drei Wochen lang Gelegenheit, bei einer chinesischen Familie wohnen zu dürfen in SHASI, am Nordufer des Jangtse-Flusses, etwa 200 km westlich von WUHAN in der chinesischen Provinz HUBEI. Das Klima ist heiß und schwül, das Essen scharf und ungemein köstlich. Ob Feuertopf, Nudelsuppe oder Biauze, ob Fisch, Fleisch, Hühnermägen, Hühnerkrallen oder Schlange, ob Hundertjährige Eier oder Pfannkuchenstreifen mit leckerer scharfer Soße, ich habe unzählige Gerichte kennenlernen dürfen und eine Vielfalt an bis dato unbekannten Gewürzen geschmeckt. Als jetzt meine Küche fertig eingerichtet war und ich in Buchläden einige vielversprechende Kochbücher fand, legte ich richtig los mit Erproben neuer Gerichte und Zubereitungsformen. Eines abends machte ich auf den Flügeln der Phantasie eine kulinarische kleine Weltreise: Ich startete in PARIS, der Stadt an der Seine mit ihrem entspannten Savoir Vivre und dem inspirierten Künstlerleben. Als Vorspeise aß ich eine französische Zwiebelsuppe, so wie sie sich die Händler in den Markthallen von Paris zu Zeiten Emile Zolas vor mehr als 100 Jahren auf ihren kleinen Kanonenöfen mit einfachsten Mitteln zum innerlichen Aufwärmen kochten, denn im Winter ist es auch in Paris kalt. Das Geheimnis der Zubereitung einer wirklich authentischen französischen Zwiebelsuppe liegt im langsamen Garen der Zwiebeln auf kleiner Flamme, bis diese weich werden und karamellisieren. Vom Flughafen Orly aus ging es mit dem Flieger entlang der chinesischen Seidenstraße gen Osten nach ISTANBUL am Bosporus. Es gab in Kräutermarinade geröstete Ofenkartoffeln, die außen knusprig und innen cremig weich sind. Dazu eine warme Gemüseplatte mit würzig- grünen Brokkoliröschen, mit Zimt gerösteten weißen Schwarzwurzeln, mit roten Berberitzen (Zereshk) und schwarzen Belugalinsen bestreut und mit Orangenvinaigrette beträufelt. Ein Klecks kräftig-pinker Rote-Beete-Hummus schmeckt dazu saulecker und sieht zudem einfach umwerfend aus. In BEIJING (Peking) war schließlich mein letzter Halt. In einer Straßenküche in einer der Straßenschluchten dieser Millionenmetropole, die mit 16.807 Quadratkilometern etwas größer als das deutsche Bundesland Schleswig Holstein ist, aß ich eine scharfe und sehr leckere Gemüseschale mit Frühlingszwiebeln, Hühnchenfleisch und Shiitake-Pilzen in köstlicher Brühe, inmitten einer Menge fröhlich schwatzender Chinesen sitzend, die ihren Arbeitstag ebenso wie ich kulinarisch ausklingen ließen. Das war ein glücklicher Tag.